Gastbeitrag

3 Fragen an unsere TTK26 Speaker:innen – Engelbert Mauthner

9. April 2026

Auf dem Weg zur TaxTech Konferenz 2026 haben wir unsere Speaker gebeten, einen kurzen Blick hinter die Kulissen zu geben: Was treibt sie fachlich und strategisch gerade um, wie sehen sie die nächsten Jahre in der Steuerwelt – und welche Momente ihren Blick auf die Branche geprägt haben.

Ihre Antworten zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven sind – und wo sich gemeinsame Linien für die Zukunft von Steuerberatung, TaxTech und KI abzeichnen.

Folgende Fragen haben wir unserem Speaker Engelbert Mauthner (Geschäftsführer, BG&P X IT GmbH) gestellt:


  1. Welche IT-Themen sind aktuell für Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung besonders kritisch?

Aus meiner Sicht laufen in Österreich gerade drei Themen parallel und verstärken sich gegenseitig: Erstens NIS2 – mit 1. Oktober 2026 tritt das neue Cybersecurity-Gesetz in Kraft, und auch wenn klassische WP- und StB-Kanzleien meist nicht direkt erfasst sind, werden wir über die Lieferkette unserer Mandanten massiv mitgezogen: Risikomanagement, MFA, Incident Response und geschulte Leitungsorgane sind keine Kür mehr, sondern werden vertraglich eingefordert. Zweitens der produktive, DSGVO- und AI-Act-konforme Einsatz generativer KI im Kanzleialltag – weg vom Spielzeug, hin zum verlässlichen digitalen Kollegen, der Routine übernimmt. Mit den Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act ab August 2026 wird das zur Compliance-Frage: Wer keine kanzleiweite KI-Strategie hat, bekommt eine – nämlich Schatten-KI durch die Mitarbeitenden, mit echten Mandantendaten in privaten Tools. Und drittens der Cyber-Druck ganz konkret: Kanzleien sind wegen der Datenkonzentration ein Top-Ziel, wer die Basics nicht hat (flächendeckende MFA, getestete Restores, Logging, ein zweiseitiger Incident-Plan), ist die nächste Schlagzeile.

2. Wo sehen Sie die größten Schwachstellen in bestehenden Systemlandschaften?

Die größte Schwachstelle ist nicht die Software – es sind die Medienbrüche dazwischen. In den meisten Kanzleien laufen vier bis sechs Insellösungen nebeneinander, verbunden durch PDFs, Excel-Listen und Outlook. Genau dort entstehen Fehler, Doppelarbeit und Frust. Dazu kommt eine oft schwache Stammdaten- und Dokumentenqualität, die jede Automatisierung im Keim erstickt. Und last but not least: Schatten-IT. Wenn die Kanzlei keine sichere KI-Lösung bereitstellt, nutzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eben privat ChatGPT – mit Mandantendaten. Das ist heute schon ein DSGVO-Risiko und wird mit dem AI Act zur echten Haftungsfrage.

3. Was ist Ihr wichtigster Rat für Unternehmen bei der digitalen Transformation?

Nicht mit dem Tool anfangen, sondern mit dem Prozess – und klein. Suchen Sie sich einen konkreten, schmerzhaften Use Case (bei uns war es die E-Mail-Flut im Outlook), lösen Sie den End-to-End und feiern Sie den Erfolg, bevor Sie das nächste Thema angehen. Vorreiter wie Estland zeigen, dass nicht die fancy Technologie den Unterschied macht, sondern saubere Daten, klare Verantwortlichkeiten und das Once-Only-Prinzip. Und: Holen Sie Ihre Leute mit. Transformation scheitert nie an der Technik, sondern fast immer an der Kultur.

Über den Autor:

Engelbert Mauthner

Geschäftsführer, BG&P X IT GmbH

„Engelbert Mauthner ist Geschäftsführer der BG&P X IT GmbH, CIO bei Moore BG&P und Experte für den praxisnahen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von IT, Wirtschaft und Automatisierung entwickelt er Lösungen, die Produktivität und Rechtssicherheit vereinen. Als Initiator von BGPX AI zeigt er, wie Organisationen durch den gezielten Einsatz von KI-Tools Zeit sparen, Prozesse optimieren und Wettbewerbsvorteile sichern können.“

Die Tax Tech Konferenz 2026 findet am 10. Juni 2026 statt. – https://taxtech.at/tickets/

Kommen Sie zur diesjährigen Tax Tech Konferenz!
Es erwartet Sie ein spannender Tag rund um das Thema Digitalisierung und Tax Tech