Wie sieht die Steuerberatung der Zukunft aus? Welche Trends und Herausforderungen bestimmen den TaxTech-Markt im Jahr 2026 – und welche Chancen entstehen durch den Einsatz neuer Technologien?
Um diese Fragen fundiert zu beleuchten, haben wir führende Expert:innen um ihre Einschätzungen gebeten. In dieser Beitragsreihe schildern sie, welche digitalen Entwicklungen und regulatorischen Änderungen ihrer Ansicht nach die Branche am stärksten verändern werden.
Welche technologischen und regulatorischen Entwicklungen werden die steuerliche Praxis in den kommenden Jahren prägen – und welche Konsequenzen ergeben sich für Prozesse, Rollen und Kompetenzen?
In der folgenden Einschätzung ordnet Mag. Thomas Stefan Wurst (öffentlich bestellter Bilanzbuchhalter, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, ACCOFIN e.U.) die zentralen Trends ein. Er zeigt auf, warum der Wandel weniger durch einzelne „Hype-Tools“ als durch regulatorisch getriebene Standardisierung, strukturierte Daten und transaktionsnahe Compliance bestimmt sein wird – und welche Rolle KI dabei realistisch übernimmt.
Digitale Entwicklungen mit struktureller Wirkung
Die wesentlichen digitalen Veränderungen bis 2026 liegen weniger in einzelnen Anwendungen als in der zunehmenden regulatorisch getriebenen Standardisierung steuerrelevanter Daten. Entwicklungen wie strukturierte elektronische Rechnungsformate, transaktionsbasierte Meldesysteme und harmonisierte Datenmodelle führen dazu, dass steuerliche Prozesse zunehmend systemseitig vorgegeben werden.
Der eigentliche Paradigmenwechsel besteht darin, dass steuerliche Sachverhalte künftig nicht mehr nachträglich bewertet, sondern bereits bei der Entstehung der Transaktion technisch und prozessual korrekt abgebildet werden müssen.
Künstliche Intelligenz und die Rolle des Steuerexperten
KI-gestützte Systeme werden bis 2026 vor allem in klar abgegrenzten Anwendungsfeldern eingesetzt, etwa bei der Klassifikation von Sachverhalten, der Analyse großer Datenmengen oder der Unterstützung bei Recherche- und Dokumentationsaufgaben.
Die fachliche Beurteilung, Verantwortung und Entscheidung verbleibt jedoch eindeutig beim Steuerexperten. Die Rolle verschiebt sich von der operativen Bearbeitung hin zur fachlichen Kontrolle, Qualitätssicherung und Interpretation der Ergebnisse.
Zentral bleibt dabei die Sicherstellung von Datenqualität, Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse sowie die Einhaltung berufs- und haftungsrechtlicher Anforderungen.
Echtzeitberichterstattung und Compliance
Auf europäischer Ebene zeichnen sich klare Entwicklungen hin zu transaktionsnaher Berichterstattung ab. Für Unternehmen bedeutet dies, dass steuerliche Compliance zunehmend von der Verfügbarkeit korrekter, strukturierter Daten in den operativen Systemen abhängt.
Eine nachhaltige Vorbereitung erfordert neben geeigneten IT-Systemen vor allem klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Prozesse sowie eine enge Abstimmung zwischen Steuerabteilung, Finanzbereich und IT. Punktuelle technische Lösungen ohne organisatorische Einbettung werden langfristig nicht ausreichen.
Zukünftige Kompetenzanforderungen
Neben fachlicher Steuerkompetenz gewinnen Kenntnisse über Datenstrukturen, Prozesse und Systemlogiken deutlich an Bedeutung. Steuerexperten müssen in der Lage sein, steuerliche Anforderungen in technische Spezifikationen zu übersetzen und Systemergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Kommunikationsfähigkeit wird dabei zu einer Schlüsselkompetenz, da steuerliche Fragestellungen zunehmend im interdisziplinären Kontext mit IT, Finance und Management gelöst werden.
Zusammenfassung
Die Entwicklung von TaxTech bis 2026 ist weniger durch disruptive Einzelinnovationen geprägt als durch eine schrittweise, regulatorisch getriebene Transformation steuerlicher Prozesse. Der nachhaltige Mehrwert entsteht dort, wo Technologie, Fachwissen und Organisation konsequent miteinander verzahnt werden.
Über den Autor:

Mag. Thomas Stefan Wurst
Mag. Thomas Stefan Wurst ist Geschäftsführer der ACCOFIN, selbstständiger Unternehmer sowie gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Darüber hinaus engagiert er sich als Funktionär der Wirtschaftskammer Wien und bringt seine fachliche Expertise in die Interessenvertretung der Wirtschaft ein.


