Gastbeitrag

Gastbeitrag: Zwischen Algorithmus und Arbeitsalltag: Wohin sich Tax und HR 2026 bewegen – Florian Schrenk

11. Dezember 2025

Die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahre hat jedes sichere Urteil über die Zukunft brüchig gemacht. Prognosen gleichen groben Skizzen, und doch lassen sich Strömungen erkennen, die sich in den angloamerikanischen Märkten bereits zeigen und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch den DACH-Raum prägen werden.

Die Steuerabteilungen werden zur Dateninstanz

In den USA und im Vereinigten Königreich ist der steuerliche Alltag längst von digitalen Grundstrukturen durchzogen: Systeme übernehmen die fortlaufende Analyse von Buchhaltungsdaten, erkennen Auffälligkeiten, gleichen Transaktionen gegen steuerliche Parameter ab und erzeugen erste Bewertungsskizzen für Bilanzierung und Reporting. Diese Entwicklung wandert in Richtung DACH-Raum. Die wesentlichen Informationen entstehen heute nicht mehr im fertigen Jahresabschluss, sondern in den ständig wachsenden Datenströmen der Buchhaltung, des Controllings und der bilanziellen Vorarbeiten. Von der automatischen Erkennung von Geschäftsvorfällen über die KI-gestützte Kontierung bis hin zu Systemen, die Abweichungen in Echtzeit melden, entsteht eine Arbeitslandschaft, in der Datenqualität und Systemlogik zu tragenden Elementen der steuerlichen Compliance werden. HR und Payroll treten dabei ergänzend hinzu. Die Arbeit wandelt sich hier wohl: weg von der Verbuchung, hin zur Prüfung der maschinellen Vorschläge, zur Bewertung ungewöhnlicher Muster und zur Sicherung einer Datenarchitektur, auf die man sich im steuerlichen Risikoalltag besser verlassen kann.

Künstliche Intelligenz als Erstprüfer

Mit der wachsenden Reife generativer Modelle verändert sich der Arbeitsalltag nun in klarer erkennbaren Linien: Die KI entwirft im angloamerikanischen Raum bereits heute erste Entwürfe für Stellungnahmen, Bilanzierungsnotizen, steuerliche Risikoanalysen oder sogar interne Kontrollbeschreibungen. Systeme gleichen Eingangsrechnungen gegen steuerliche Kriterien ab, prüfen Umsatzsteuersätze, erkennen mögliche Fehlerketten im Belegfluss und markieren Risiken, die früher erst im Rahmen einer Schlussbesprechung sichtbar wurden. Auch im Bereich Payroll entstehen automatische Prüfpfade, welche geldwerte Vorteile, Grenzgänger-Themen oder fehlerhafte Zeitmodelle aufzeigen. Zugleich führt die Annäherung an Echtzeit-Compliance durch E-Rechnungspflichten, digitale Meldewege und strukturierten Datenaustausch dazu, dass steuerliche Korrektheit nicht mehr retrospektiv hergestellt wird, sondern in dem Augenblick, in dem der Datensatz entsteht. Aus der Verschmelzung der Datenströme erwächst ein umfassender, maschinell vorstrukturierter Blick auf Risiken, der die Fachwelt zwingt, weniger zu erfassen und mehr zu interpretieren. Die Technik übernimmt vielfach den ersten Schritt; der Mensch behält weiter das letzte Wort – und trägt die Verantwortung.

Über den Autor:

Florian Schrenk

BA, LL.M., Geschäftsführer in der Fortis Unum Gruppe, Geschäftsführer der Hitz & Schrenk OG, Lehrgangsleiter an der Donau-Uni Krems (UWK), Co-Herausgeber der Datenbank KomKo, Linde Verlag.

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